Tuchmann Büros und Wohnhäuser 1930
Bitte benutzen Sie den Index zur Navigation und klicken Sie auf die grünen Punkte in der Karte, um Bilder der heutigen Gebäude in situ zu sehen. Es gibt wahrscheinlich eine kleine Anzahl von Nachkriegsrekonstruktionen, wie z.B. in der Karolinenstraße und der Knauerstraße, aber die meisten sind Blöcke moderner Bauweise.
Um die zentralen Vorkriegsstraßen und ‐gebäude in etwa so zu zeigen, wie sie in den 1930er Jahren angelegt waren, ist eine Karte von 1945 für das Gebiet der Marienvorstadt überlagert ‐ Stadtplanungsamt Nürnberg vom 12. Februar 1945.
Marienvorstadt
Anlässlich des Jubiläumsjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland‟ und dank der Projektförderung der gleichnamigen Stiftung folgt Geschichte Für Alle e.V. jüdischen Spuren durch die Marienvorstadt.
Heute prägen einfache Nachkriegsarchitektur und eintönige Bürogebäude das Straßenbild entlang der Marien‐ und Gleisbühlstraße. Nur im Bereich der Blumenstraße und am Ende der Badstraße hat sich ein letzter Rest der Vorkriegsbebauung erhalten.
Die Marienvorstadt, benannt nach der bayerischen Königin Marie (1825‐1889), war im 19. Jahrhundert die erste geplante Stadterweiterung Nürnbergs außerhalb der Stadtmauern. Als Bauland erwarb die Stadt Nürnberg den so genannten Scherlersgarten und den Gleisbühl, die beide im Besitz der Familie Kress von Kressenstein waren. Ausgehend vom Marientor erstreckte sich das rechtwinklig angelegte Straßennetz mit der Marienstraße als Mittelachse. Die einzelnen Parzellen wurden ab 1860 an den Meistbietenden versteigert. Der Bebauungsplan sah eine Gartenvorstadt in der sogenannten offenen Pavillonbauweise vor. Vor und zwischen den Einfamilienhäusern sollten Gärten angelegt werden. Wer glaubt, die Marienvorstadt sei als reines Wohngebiet mit prächtigen Gärten entstanden, irrt: Durch die Nähe zum 1847 eröffneten Hauptbahnhof siedelten sich hier vor allem Gewerbetreibende an. Bereits 1863 waren von den 26 Hausbesitzern zehn Großhändler oder Kaufleute, sieben Fabrikanten und fünf Handwerksmeister, die hier auch ihrem Gewerbe nachgingen. 1876 gab es in der Vorstadt 18 Fabriken, ein großer Teil der Freiflächen war mit Schuppen, Lagerhäusern, Werkstätten und Hopfendarren überbaut, letztere weisen auf ein Gewerbe hin, das den Stadtteil besonders prägte: den Hopfenhandel.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts avancierte Nürnberg zu einem Zentrum des deutschen und weltweiten Hopfenhandels; ein Wirtschaftszweig, in dem traditionell besonders viele jüdische Unternehmer tätig waren. Allein in der Marienvorstadt befanden sich 23 Hopfenhandlungen, eine der größten war die Hopfenhandlung Bernhard Bing am Marienplatz 6. Eine andere Familie, die schon lange im Hopfenhandel tätig war, war die Familie Hopff. Löb Hopf (1794‐1868) zog bereits 1851 von Uehlfeld nach Nürnberg, nur ein Jahr nachdem der erste Jude seit über 350 Jahren eine Niederlassungserlaubnis in Nürnberg erhalten hatte. Drei Jahre später meldete er die Hopfenhandelsfirma „Hopf und Söhne‟ an. Das Stammhaus befand sich zunächst in der Marienstraße 1, später in der Bahnhofstraße 3, am Standort des heutigen Grand Hotels. Wie in vielen anderen jüdischen Familien auch, entwickelten die Mitglieder der Familie Hopf ein breites politisches und soziales Engagement. Mehrere Stiftungen gehen auf die Familie zurück, allen voran die Errichtung des mittelfränkischen Blindenheims durch Emil Hopf (1860‐1920).
Ein weiteres jüdisches Unternehmen im Bezirk war die Spielzeugfabrik Tippco von Philipp Ullmann (1883‐1971). Das Unternehmen war vor allem für seine Fahrzeuge bekannt, stellte aber auch mechanische Zinnfiguren, Karussells und Eisenbahnen her. Ullmann emigrierte 1933 nach England, kehrte aber nach Kriegsende nach Nürnberg zurück.